Am 11.9.2016 war es wieder soweit. Der Berlin Man und damit der vorletzte Triathlon der Saison stand für mich auf dem Programm. Nach dem Spreewald Triathlon und dem Berlin Triathlon XL, war er auch die dritte Mitteldistanz für das Jahr 2016 und meine gesamt vierte.

Den Saisonabschluss macht, neben dem Berlin Marathon, noch der Triathlon in Barcelona. Dem Marathon stehe ich aufgrund meiner Laufschwäche respektvoll gegenüber. Auf den Triathlon freue ich mich allerdings sehr. Ich liebe diese Stadt und kann es nicht erwarten, mal wieder ein Wochenende in Barcelona zu verbringen.

Der Berlin Man 2016

Lange Zeit im Voraus sind die Anmeldungen offen und nach kurzer Zeit auch wieder geschlossen. Der Berlin Man findet nur alle 2 Jahre am Wannsee in Berlin statt und erfreut sich offenbar einer großen Beliebtheit. Veranstaltet wird das Event von den Weltraumjoggern. Dabei steht ein Wochenende im September im Zeichen des Triathlons. Samstag das Jedermann Rennen mit der Sprint Distanz und Sonntag gehen die etwas erfahreneren auf die Mitteldistanz Strecke. Ich selber versuchte mich von 4 Jahren an der Sprintstrecke und nahm dieses Jahr die anspruchsvollere Distanz in Angriff.


Vorbereitungen

Mit einer Mitteldistanz am Ende der Saison, hat man genug Zeit sich vorzubereiten. Kürzere Wettkämpfe mit Olympischen Distanzen helfen dabei wieder den Einstieg zu finden und die Routine zu bekommen. Der A3K-Team-Triathlon und der Storkow-Triathlon sollten dieses Jahr meine Übungswettkämpfe sein.

Die Ausdauer auf dem Rad holte ich mir im August bei dem einwöchigen Radrennen, der Viking Tour, in Norwegen. Radfahren in Norwegen kann ich nur empfehlen, wenn man den heißen Temperaturen des deutschen Sommers flüchten und sich ordentlich an den Bergen austoben möchte.

Die Nacht vor dem Berlin Man 2016

Am Tag vor dem Berlin Man kam ich erst 22:30Uhr nach Hause und versuchte mich schnellstmöglich schlafen zu legen. Den Wecker auf 4:45Uhr gestellt, lag ich im Bett und konnte nicht einschlafen. Eigentlich hatte ich ja die Routine, aber dieses extrem frühe Aufstehen ist wirklich nicht mein Ding. Ich ging tot müde ins Bett und doch begann mein Kopf an sich mit Dingen zu beschäftigen, die auch auf später hätten verschoben werden können.

Irgendwann schaffte ich es dann doch und war überrascht nach nur 5 Stunden Schlaf ganz ausgeruht zu sein. Voller Energie freute ich mich auf den Berlin Man. 6 Wochen war der letzte Triathlon her und ich hatte Bock auf die neue Herausforderung. Ich packte meine Sachen und trug mein Rad ins Auto. Noch im Dunkeln fuhr ich zum Wannsee. Kurz kam mir der Gedanke, ob ich die Badehose und mein kleines Schwesterlein einpacken sollte und ab dann schwirrte das Lied in meinem Kopf und sorgte für gute Laune. Als die Partygäste der Nacht an mir vorbeiliefen, bemerkte ich mal wieder, in welch unterschiedlichen Welten man leben kann.

Am Strandbad Wannsee

Die Weltraumjogger haben sich mal wieder überlegt die Startunterlagenabholung und die Wettkampfeinweisung auf einen Tag vorher zu legen. An sich eine gute Idee, um am Renntag Zeit zu sparen, aber einfach für alle total umständlich.

Solange man nicht um die Ecke wohnt und sowieso keinerlei anderer Sachen zu tun hat, kann man sich die zwei Stunden, die für die Startunterlagen als Abholzeit zur Verfügung standen plus die Wettkampfeinweisung, Zeit nehmen. Aber für Weltenbummler wie mich und Leute, die einen weiteren Anfahrtsweg haben, ist das einfach ein Umweg, der völlig unnötig ist. Ich geh davon aus, dass das einige abschrecken wird die Veranstaltung nochmals zu besuchen, wenn sich daran nichts ändert.

In der Wechselzone holte ich von meinem Kumpel die Startunterlagen ab und stellte fest, ich bin definitiv nicht Gregor. Meine Startnummer war demnach nicht 296 sondern 396. Irgendwer hatte sich da vertan und die falsche Startnummer herausgegeben. Wenn Gregor nun keine Startunterlagen hatte, lag es nicht an mir. Der Austausch ging aber relativ flott und ich durfte in die Wechselzone meinen Platz aufbauen.

Neu war, dass wir unsere Startnummer zusätzlich noch mit einem Klebetattoo auf den Arm und die Wade kleben sollten. Der erste Versuch scheiterte kläglich. Ja, erst die Folie abziehen und dann nass machen, nicht umgekehrt. Bei der zweiten Folie hatte ich es dann raus.

Berlin Man 2016 Wechselzone

Start des Berlin Man 2016

8:00Uhr starteten die Frauen mit den Männern über 55 Jahre. 10min später die knackigen Männer gefolgt von den reiferen Männern um 8:20Uhr. Der Rolling Start ist nicht jedermanns Sache. Gerade für Männer und die Zuschauer ist es schwer zu erkennen, wer nun wirklich die Führung übernommen hat. Ich allerdings habe als Frau damit keine Probleme, weil es ja nur wenige Frauen im Triathlon gibt und diese starten meistens zusammen.

Am Tag vorher war bei der Sprintdistanz Neo Verbot. Am Sonntag sagte der Wetterbericht 30 Grad voraus. Wenn ich schon daran dachte, nach dem Schwimmen im Neo die 89 Stufen im Strandbad Wannsee hochzulaufen, wurde mir ganz heiß. Mein Neoprenanzug* blieb schön zu Hause.

Da ich an der Wettkampfeinweisung einen Tag vorher nicht teil genommen hatte, musste ich mich bei den anderen Starterinnen vor dem Start erkunden, wo wir lang schwimmen. Es hieß wir umschwimmen die rot-gelb-roten Bojen und lassen die gelb-rot-gelben Bojen rechts liegen. Puh ja rot-gelb-rot … gelb-rot-gelb, was für eine Farbvielfalt. Gut, dass ich bei der Farblehre in der Schule immer gut aufgepasst hatte.

Der Start war ein Wasserstart und erfolgte zwischen dem Steg und der Boje. Kurz vorher drängelten sich viele vor die imaginäre Linie. Wer sollte sie auch daran hindern?

Berlin Man 2016 Start

Schwimmen

Als das Startsignal ertönte, stürmten alle los. Ich muss sagen, ich fand das Tempo ziemlich hoch und konnte auch gerade so mit den vorderen mithalten. Nachdem sich das Gedrängel bei Kilometer eins eingepegelt hatte, verfügte jeder über seinen Raum zum schwimmen. Die 2,2km Schwimmen waren diesmal eine viereckige Runde.

Ich hatte das Gefühl, dass im Wannsee Strömung war. Kann das einer bestätigen? Oder lag es daran, dass ich ohne Neo schwamm und es sich aufgrund des Gewusels schwerer anfühlte? Auf dem Rückweg zum Steg fühlte es sich an, als ob wir mit der Strömung schwammen. Das Feld vor mir holte ich noch ein und wir schwammen alle in einer Reihe bis zum Ausstieg. Und ich muss sagen, mein Gefühl gab mir recht. Mir war nach 1,5km im Wasser so warm, dass ich froh war keinen Neo getragen zu haben.

89 Stufen ging es hinauf in die Wechselzone. Diese erreichte ich diese nach 36min, suchte mein Rad und wechselte die Sachen. Ich legte die Schwimmbrille und die Badekappe weg, zog die Socken und die neuen Radschuhe* an, setzte den Helm auf und band mir die Startnummer um und machte mich auf den Weg auf die 90km Radstrecke.

Berlin Man 2016 Schwimmen

Radfahren

Auf dem Rad fühlte ich mich gut. Normalerweise nutzte ich die ersten Kilometer auf dem Rad, um erstmal durchschnaufen, aber diesmal nicht. Ich trat sofort in die Pedalen. Das Schwimmen und den Lauf zur Wechselzone hatte ich gut verkraftet. Bei der Distanz von 2,2km ist die Geschwindigkeit eher langsamer, als bei 1,5km oder sogar beim Sprint.

4 Runden ging es nun durch den Grunewald. Wir sind die Strecke zwei Wochen vor dem Start bereits abgefahren. Ich wusste also was mich erwartet. Ein Berg, den ich nach Norwegen als kleinen Hügel bezeichnen würde, und eine Teilstrecke mit Kopfsteinpflaster.

Direkt am Beginn der Runde streckten uns die fleißigen Helfer, Wasser und Isoflaschen und Gels entgegen. Ich hatte allerdings alles dabei und griff nur in der letzten Runde zum Gel.

Zu loben ist die Kennzeichnung der Risse im Asphalt von den Organisatoren. Selbst Helfer gaben Wegbeschreibungen und Hinweise auf Asphaltschäden. Nach der zweiten Runde wusste man aber auch, wo welche Delle war und wie man am besten an ihr vorbeikam.

10 min vor den Herren zu starten, war natürlich mal was anderes. Öfter hörte ich nur ein lautes Brummen und wusste, jetzt kommt einer mit Scheibe von hinten. Also lieber mal etwas Platz machen.

Nach 2:51 Stunden und fast 90km ging es zurück in der Wechselzone. Mein Wechsel ging erstaunlicherweise sehr schnell. Rad und Radsachen weg, Laufschuhe* an und los zur Laufstrecke.

Berlin Man 2016 Radfahren

Und dann dieses Laufen

Dann ging’s los. Meine Kontrahentin, mit der ich vom Radfahren in der Wechselzone eintraf, war direkt nach den ersten Metern verschwunden. Und Tschüss. Ich fragte mich, wie ich denn bitte die Beine so schnell bewegen soll?

Erst nach drei Kilometern wurde ich etwas beweglicher, dennoch langsam. Meine Anfangspace konnte ich nicht halten. Eher im Gegenteil, sie verschlechterte sich von Runde zu Runde. Viele Läuferinnen und Läufer musste ich einfach passieren lassen. Ein schreckliches Gefühl, aber nicht zu ändern, wenn man die Beine nicht schneller bewegen kann.

Wir liefen 4 Runden à 5 Kilomter. Der überwiegende Teil der Laufstrecke war im schattigen Wald. Ein Teilstück befand sich aber am Rande des Waldes in der Sonne. In jeder Runde wurde dieses Stück Laufstrecke durch die Mittagshitze auch immer heißer. Jedes Mal der gleiche Gedanke: Wann geht es wieder in den Wald?

In der dritten Runde brauchte ich irgendwas frisches im Mund und griff an der Verpflegungsstation nach einem Apfel, obwohl ich beim Sportschecklauf Ende August den Fehler bereut hatte, Obst zum Frühstück zu essen. Keine 15min nach dem Apfel spürte ich, wie sich mein Magen umdrehte und Schmerzen verursachte. Nie wieder Apfel! Das Gefühl musste ich eine ganze Runde mit mir rumschleppen.

In der letzten Runde machten die Beine nur noch langsame Bewegungen. Ich griff bei der Verpflegungsstation nach Cola, um mir nochmal den letzten Schub zu geben. Und dann war es soweit. Das Ziel kam immer näher. Nur noch 2km, 1km, 500m, Ziel.

Berlin Man 2016 Laufen

Finish in 5 Stunden 36 Minuten

Mit der Zeit von 5:36 Stunden kam ich ins Ziel und war überglücklich, alles durchgestanden zu haben. Ich wurde mit den Worten empfangen, ich sähe frisch aus, aber diese Gefühl konnte ich nicht bestätigen. Meine Beine wirkten, als wäre sie gerade extrem malträtiert worden. Geehrt wurden die Finisher mit einer schönen Medaille. Sie hat nun ihren Platz bei den anderen gefunden und glänzt beim Vorbeigehen.

berlin-man-2016-medaille

Fazit

Bis auf die Problematik mit der Startunterlagenabholung war der Berlin Man eine sehr gelungene Veranstaltung. Zum Glück gibt es Freunde, die einem da aushelfen und die Startunterlagen für einen abholen. Vielen Dank dafür.

Auch wenn ich mich mal wieder durchs Laufen quälen musste, hatte ich Spaß. Es war schön dabei gewesen zu sein und es geschafft zu haben. Die Strecke war überwiegend im Schatten und von daher waren die spätsommerlichen Temperaturen von 30 Grad während des Rennens kein Problem. Alle Straßenschäden und Wurzeln am Boden waren durch die Veranstalter gekennzeichnet und die Moderation war auch sehr angenehm.

Eine Sache, die man vielleicht nicht verhindern kann, ist der gesperrte Zugang zum Strandbad Wannsee. Durch den Massenbesuch am Wochenende der Badegäste verlief sich die Veranstaltung nach dem Rennen am See sehr schnell.

Solltest du dich für die Veranstaltung interessieren findest du hier den Link. Wie erwähnt findet der Berlin Man nur alle zwei Jahre statt.

Ich bin angefixed. Ich möchte schneller Laufen. Mit meiner Pace kann ich wirklich keinen Kuchen gewinnen. Ziel ist es über den Winter fitter zu werden und wenigstens ne 5:30er Durchschnittspace zu laufen. Ob ich das auf meiner Reise nach Südostasien schaffe? Mehr dazu in den kommenden Monaten hier in meinem Blog.

Ich danke Steffen Hartz von Laktat3 für die zur Verfügung gestellten Bilder.

Hast du auch beim Berlin Man teil genommen? Wie war es für dich? Lass gerne einen Kommentar da. 

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